CIP (Cleaning in Place): Reinigung ohne Demontage

CIP steht für Cleaning in Place – die Reinigung geschlossener Anlagen, ohne sie zu zerlegen. Reinigungsmedien werden durch Rohrleitungen, Behälter und Armaturen zirkuliert. Das Verfahren ist Standard in der Lebensmittel-, Getränke- und Pharmaindustrie, weil es reproduzierbar, automatisierbar und dokumentierbar ist.

Typischer Ablauf

  1. Vorspülen mit Wasser: Produktreste werden ausgetragen
  2. Alkalische Reinigung (meist Natronlauge, ca. 1–2 %, 60–85 °C): löst organische Rückstände, Fette und Eiweiße
  3. Zwischenspülen mit Wasser
  4. Saure Reinigung (z. B. Salpeter- oder Phosphorsäure): entfernt mineralische Ablagerungen, Kalk und Bierstein
  5. Nachspülen mit Wasser, je nach Anwendung mit Betriebs- oder Reinstwasser
  6. optional Desinfektion

Wirksam wird die Reinigung durch das Zusammenspiel von vier Faktoren, die sich gegenseitig teilweise ersetzen können (Sinner’scher Kreis): Temperatur, Chemie, Mechanik (Strömung) und Zeit.

Konstruktive Anforderungen

Eine Anlage ist nur dann CIP-fähig, wenn sie konstruktiv darauf ausgelegt ist. Wesentliche Punkte:

  • Turbulente Strömung an allen produktberührenden Flächen – meist wird eine Mindest-Strömungsgeschwindigkeit von rund 1,5 bis 2 m/s angesetzt
  • Keine Toträume: Abzweige und Sackenden müssen begrenzt sein, da sie nicht durchströmt werden
  • Vollständige Entleerbarkeit durch Gefälle
  • Spaltfreie Verbindungen: durchgeschweißte Nähte statt Gewinde oder Flansche mit Spalt
  • Glatte Oberflächen: geringe Rauheit (häufig gefordert: Ra ≤ 0,8 µm) erschwert Anhaftungen und Biofilmbildung
  • Werkstoffbeständigkeit gegen Lauge, Säure und Temperaturwechsel – üblich ist 1.4404

Abgrenzung: SIP

SIP (Sterilization in Place) geht über die Reinigung hinaus: Die Anlage wird zusätzlich sterilisiert, in der Regel mit Sattdampf. SIP setzt CIP voraus – sterilisiert wird nur, was zuvor gereinigt wurde. Anlagen mit SIP-Anforderung müssen zusätzlich dampfdicht und für die entsprechenden Temperaturen und Drücke ausgelegt sein.

Regelwerke

Konstruktive Anforderungen an reinigbare Anlagen sind unter anderem in den Richtlinien der EHEDG (European Hygienic Engineering & Design Group) beschrieben. Verwandte Regelwerke sind 3-A Sanitary Standards und, für den Pharmabereich, die Vorgaben der GMP-Richtlinien.