CIP steht für Cleaning in Place – die Reinigung geschlossener Anlagen, ohne sie zu zerlegen. Reinigungsmedien werden durch Rohrleitungen, Behälter und Armaturen zirkuliert. Das Verfahren ist Standard in der Lebensmittel-, Getränke- und Pharmaindustrie, weil es reproduzierbar, automatisierbar und dokumentierbar ist.
Typischer Ablauf
- Vorspülen mit Wasser: Produktreste werden ausgetragen
- Alkalische Reinigung (meist Natronlauge, ca. 1–2 %, 60–85 °C): löst organische Rückstände, Fette und Eiweiße
- Zwischenspülen mit Wasser
- Saure Reinigung (z. B. Salpeter- oder Phosphorsäure): entfernt mineralische Ablagerungen, Kalk und Bierstein
- Nachspülen mit Wasser, je nach Anwendung mit Betriebs- oder Reinstwasser
- optional Desinfektion
Wirksam wird die Reinigung durch das Zusammenspiel von vier Faktoren, die sich gegenseitig teilweise ersetzen können (Sinner’scher Kreis): Temperatur, Chemie, Mechanik (Strömung) und Zeit.
Konstruktive Anforderungen
Eine Anlage ist nur dann CIP-fähig, wenn sie konstruktiv darauf ausgelegt ist. Wesentliche Punkte:
- Turbulente Strömung an allen produktberührenden Flächen – meist wird eine Mindest-Strömungsgeschwindigkeit von rund 1,5 bis 2 m/s angesetzt
- Keine Toträume: Abzweige und Sackenden müssen begrenzt sein, da sie nicht durchströmt werden
- Vollständige Entleerbarkeit durch Gefälle
- Spaltfreie Verbindungen: durchgeschweißte Nähte statt Gewinde oder Flansche mit Spalt
- Glatte Oberflächen: geringe Rauheit (häufig gefordert: Ra ≤ 0,8 µm) erschwert Anhaftungen und Biofilmbildung
- Werkstoffbeständigkeit gegen Lauge, Säure und Temperaturwechsel – üblich ist 1.4404
Abgrenzung: SIP
SIP (Sterilization in Place) geht über die Reinigung hinaus: Die Anlage wird zusätzlich sterilisiert, in der Regel mit Sattdampf. SIP setzt CIP voraus – sterilisiert wird nur, was zuvor gereinigt wurde. Anlagen mit SIP-Anforderung müssen zusätzlich dampfdicht und für die entsprechenden Temperaturen und Drücke ausgelegt sein.
Regelwerke
Konstruktive Anforderungen an reinigbare Anlagen sind unter anderem in den Richtlinien der EHEDG (European Hygienic Engineering & Design Group) beschrieben. Verwandte Regelwerke sind 3-A Sanitary Standards und, für den Pharmabereich, die Vorgaben der GMP-Richtlinien.